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GESCHENKE FÜR KOPF UND HERZ

BÜCHER FÜR DEN GABENTISCH

Zu Weihnachten möchte die Fachschaft Deutsch des Mariengymnasiums Buchempfehlungen aussprechen, auch deshalb weil Bücher einen schweren Stand unter all den anderen Gaben haben, die das Fest mit sich bringt. Empfohlen und besprochen werden nur Bücher, die die aufgeführten Lehrerinnen und Lehrer selbst gelesen haben.

David Walliams: Gangsta-Oma

Etwas Schlimmeres, als Zeit mit seiner Oma zu verbringen, kann Ben sich nicht vorstellen. Ihr Fernseher ist kaputt. Ihr Hörgerät nervt. Ihre Fürze stinken nach Kohl. Und sie will die ganze Zeit nur Scrabble spielen. Da legt Ben dann so Wörter wie „langweilig“, „Saublödspiel“, „uralt“ oder „Hilfe“. Bis Ben, als er sich einen Keks aus Omas Küche holen will, zufällig eine Dose findet – randvoll mit Diamanten. Und er entdeckt etwas Unfassbares: Seine Oma ist eine Juwelendiebin und plant einen großen Coup – den Diebstahl der britischen Kronjuwelen. „Gangsta-Oma“ ist ein ganz wunderbares Buch, voll von hinreißenden Einfällen, schrägem britischen Humor und famosen Slapstick-Einlagen. Und doch leuchtet hinter all dem glitzernden und glänzend inszenierten Klamauk dieser feinen Gangsterstory eine ernste Seite hervor. Denn Ben merkt, dass all die Vorurteile, die er gegenüber seiner Oma hatte, gar nicht stimmen, und dass es ein Riesenspaß sein kann, sich in ein Enkel-Oma-Abenteuer zu schmeißen und die gemeinsame Zeit zu genießen, solange man noch kann. Ein wirklich großer Lesespaß und zauberschönes Kopfkino.

Johannes Fundermann

Michael Gerard Bauer: Nennt mich nicht Ismael!

Der 2008 ins Deutsche übersetzte Roman „Nennt mich nicht Ismael!“ des vielfach ausgezeichneten australischen Autors Michael Gerard Bauer erzählt mit viel Witz, Slapstick und Selbstironie aus der Sicht des 14-jährigen Mobbing-Opfers Ismael die Ereignisse eines Schuljahres, das in der Rückschau als „das härteste, verrückteste, peinlichste, schrecklichste und beste Jahr” seines Lebens bezeichnet wird. Wegen seines Namens wird Ismael in der Schule von seinem Mitschüler Barry Bagsley und dessen Freunden gehänselt und drangsaliert. Er zieht sich in eine Außenseiterrolle zurück. Doch als der neue Mitschüler James Scobie in die Klasse kommt, ändern sich die Machtverhältnisse. Der schwer kranke, aber höchst kluge und redegewandte Scobie schafft es, sich mit Worten Respekt zu verschaffen. James gründet einen Debattierclub, dem gegen seinen anfänglichen Widerstand auch Ismael beitritt. Der Club wird für Ismael zu einem Ort, an dem er seine Unsicherheit zu überwinden lernt, Freundschaften schließt und zu neuem Selbstbewusstsein findet.

Themen:

  • Mobbing und Zivilcourage
  • Debattieren und die Macht der richtigen Worte
  • Selbstüberwindung, Misserfolg und Erfolg
  • Erste Liebe und gute Freundschaft

Dr. Marina Mertens

Philip Pullman: Der goldene Kompass

Lyra lebt mit ihrem Dämon Pantalaimon ein freies und abenteuerreiches Leben im Jordan College in Oxford. Doch dann stolpert sie in das Abenteuer ihres Lebens, denn ihr ist Großes vorherbestimmt. Unter anderem geleitet von einem goldenen Kompass, dem Alethiometer, das ihr immer die Wahrheit sagt, begibt sie sich auf eine gefährliche Reise in den Norden auf der Suche nach ihrem entführten Freund Roger. Diese Reise verändert nicht nur Lyra und ihre Sicht auf die Welt, sondern auch ihre Welt an sich und alles darüber hinaus. Denn es scheint mehr zwischen Himmel und Erde zu geben, als Lyra ahnt. „Der goldene Kompass“ ist ein spannender, fantastischer Roman, der einen in neue Welten entführt, die der unseren sehr ähneln, aber doch ganz anders und sehr komplex sind. Perfektes Lesefutter für lange, regnerische Tage, denn dies ist erst Teil eins der Trilogie, und wer Lyras unglaublichem Geheimnis vollkommen auf die Spur kommen möchte, wird auch die nächsten zwei Romane lesen wollen.

Alena Wöstmann

Harry Mulisch: Das Attentat

In „Das Attentat“ wird die Lebensgeschichte des Niederländers Anton Steenvijk erzählt, der als Kind in Haarlem die Besatzung Hollands durch die Deutschen miterlebt. 1945 wird er Zeuge eines Mordanschlags, der für ihn und seine Familie schreckliche Folgen hat. Die Erzählung greift verschiedene Etappen in Antons Lebens auf, in denen er Figuren trifft, die jeweils ihre eigene Sicht auf das in der Vergangenheit geschehene Attentat und damit verbundene weiterführende Informationen einbringen. Diese unterschiedlichen Perspektiven führen dazu, dass man als Leser*in ständig sein persönliches Urteil zu Figuren und dargestellten Ereignissen überdenken und widerrufen muss. „Das Attentat“ war seit längerer Zeit mal wieder ein Buch, das ich so spannend fand, dass ich es nicht aus der Hand legen konnte.

Annika Herrmann

Randal Munroe: „What if?“ und „How to“

Randall Munroe ist Physiker und war Robotiker bei der NASA, bis er entschied, sein Internet-Comic hauptberuflich zu veröffentlichen. Dort zeichnet der 35-jährige unter seinem früheren Pseudonym, xkcd, Strichmännchen, die skurrile, meist wissenschaftliche Ideen haben und jeden Nerd mit Glücksgefühlen erfüllen. Außerdem beantwortet er dort ungewöhnliche Fragen, die ihm geschickt werden – z. B. Was passiert, wenn man einen Baseball mit annähernder Lichtgeschwindigkeit werfen würde? (Spoiler: Da will man nicht in der Nähe stehen!) Diese Fragen und die spannenden, interessanten und amüsanten Antworten hat Munroe in dem Buch „What If?“ (2014) veröffentlicht, das ich jedem wissenschaftlich interessierten Menschen bedingungslos empfehlen kann. Aktuell ist das Buch „How to“ (2019) von Munroe erschienen. Der Humor und der wissenschaftliche Anspruch sind vergleichbar. Diesmal hat er sich allerdings überlegt, wie man alltägliche Vorgänge alternativ lösen könnte – z. B. den Strom für ein Haus erzeugen. Auch wenn die Ideen in dem Buch meist völlig abwegig erscheinen, hat Munroe den Anspruch seine Lösungsansätze wissenschaftlich korrekt und amüsant zu vermitteln auch hier erreicht. Wer sich einen Eindruck von Munroes Werk verschaffen möchte ist auf seiner Webseite xkcd.com gut aufgehoben.

Von der Fachschaft Informatik: Thorsten Schmolke

Ernst H. Gombrich: Eine kurze Weltgeschichte für junge Leser

Was für ein verheißungsvoller Titel! Sollte auf den 352 Seiten dieses zum Klassiker gereiften Buches wirklich alles aufgeführt worden sein, was bis zu diesem Tage geschehen ist? Natürlich beschränkt sich die Auswahl auf das, was der Autor, der 2001 in London verstorbene österreichische Kunsthistoriker Sir Ernst H. Gombrich, für überlieferungswert gehalten hat! Vor 3500 Jahren: Die Babylonier erfinden den Wochenkalender. 732: Karl Martell besiegt die Araber bei Tour und Portiers. 1683: Die Türken belagern Wien. 1793: Die Tochter der „aufgeklärten“ österreichischen Kaiserin Maria Theresia, Marie Antoinette, wird von fanatischen Aufklärern hingerichtet. 1804: Napoleon lässt sich zum Kaiser krönen – um nur einige Stationen dieser Weltgeschichte zu nennen. Vieles aus dem Geschichtsunterricht kehrt wieder, und die Weltgeschichte erscheint in einem neuen Licht. Ein Klassiker für den Kopf – und doch gefühlvoll erzählte Geschichten!

Gerold Paul

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