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WAHNSINNIG GUT – GYMNASIASTEN ÜBERZEUGEN PUBLIKUM

Der Literaturkurs der Q1 des Mariengymnasiums unter der Leitung von Alena Wöstmann führt Friedrich Dürrenmatts vortreffliche Komödie „Die Physiker“ auf.

Von Joe Rieder: Die Glocke vom 9. Juni 2022

Schulische Theateraufführungen bergen mitunter die Gefahr, neben stolzen Eltern allenfalls noch einige lästernde Mitschüler zu goutieren. In diese Kategorie fiel die Aufführung von Friedrich Dürrenmatts „Die Physiker“, die der Literaturkurs der Q1 des Mariengymnasiums am Dienstagabend mit Unterstützung des Technikteams auf die improvisierte Bühne der Schulaula brachte, eindeutig nicht!

Allenfalls die Besetzung konnte kurz nach Beginn des Stückes zu leichten Irritationen führen, waren doch die Rollen des Albert Einstein (überzeugend: Larena Mai) und des Kernphysikers Johann Wilhelm Möbius (besonders stark: Cora Horstmann) mit Schauspielerinnen besetzt. Ein Umstand, der nicht allein der personellen Besetzung des Kurses geschuldet war – männliche Schauspieler waren ja dabei – sondern auch der Intensität der Rollen, wie die brillante Cora Horstmann in der Pause zugab. Sie ist die Einzige der Besetzung, die sowohl bei der Premiere, als auch bei der zweiten Aufführung am Mittwochabend auf der Bühne stand und beeindruckend intensiv den vermeintlichen Wahnsinn der Figur Möbius personalisierte. Völlig vom Adrenalin des Lampenfiebers geflasht stimmte sie der Frage, ob sie eine sogenannte „Rampensau“ sei, lachend zu.

Seit kurz vor Weihnachten hatten die 24 Schülerinnen und Schüler des Kurses geprobt, erläuterte Lehrerin und Regisseurin Alena Wöstmann. Die Proben seien sehr unterschiedlich ausgefallen und teils sehr intensiv gewesen, vor allem in den letzten 14 Tagen vor der Aufführung. „Heute haben wir noch einmal den ganzen Tag über geprobt“; berichtete sie.

Am Abend bewies sich, dass sich der Aufwand gelohnt hat. Wahnsinn ohne karikaturierende Überspitzung darzustellen, ist gewiss nicht einfach, doch dies gelang der einzig wirklich wahnsinnigen Figur, der Psychiaterin Dr. Mathilde von Zahnd (Maike Schmalbrock), bestechend gut. Den gespielten Wahnsinn der eigentlich nicht irrsinnigen Figur Sir Isaac Newton meisterte Joshua Haak ebenfalls gekonnt. Kleine, kaum spürbare Momente des Soufflierens überspielten die Darsteller mit Gestik und Mimik derart, dass sie als dramaturgische Pause wirken konnten.

Während auch Mathilda Spähnle als Schwester Monika nicht nur mit der Darstellung ihrer Liebe, sondern auch ihrer Leiche glaubwürdig blieb, schien Inspektor Voß (Santosh Kulasegaram) bewusst ebenso überzeichnet, wie die Darstellungen der drei Söhne des Möbius und ihr groteskes – und sehr erheiterndes – Blockflötennichtspiel.

Die Aufführung erntete einen verdienten langen Applaus. Eintritt und Einnahmen aus Kuchen und Getränkeverkauf füllen die Abikasse der Jahrgangsstufe 11.

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