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DDR – DEMOKRATIE ODER DIKTATUR?

Rainer Eppelmann referiert vor 120 Oberstufenschüler über SED-Regime

Von David Feldkämper

MGW. Freie Meinungsäußerung, freie Entfaltung der Persönlichkeit, eine Wahl zwischen Alternativen. Das Gut der Freiheit ist für viele – vor allem junge – Menschen heute selbstverständlich. Der ehemalige Pfarrer, Bürgerrechtler, Minister und Bundestagsabgeordnete Rainer Eppelmann hat diese gegenwärtige Selbstverständlichkeit den größten Teil seines Lebens vermisst. Eppelmann ist in der DDR aufgewachsen und hätte das repressive System beinahe nicht überlebt. Anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls erinnerte Rainer Eppelmann im Rahmen eines Kooperationsprojektes mit der Volkshochschule Warendorf vor 120 Oberstufenschülern des Mariengymnasiums an das unfreie Leben unter dem SED-Regime – für den heute 76-Jährigen eine Herzensangelegenheit.

Immer wieder konfrontierte der Überzeugungspolitiker die gebannte Zuhörerschaft im Zuge seiner Erzählungen über seine ganz persönlichen biografischen Erfahrungen mit der Frage: „Demokratie oder Diktatur?“ – ein roter Faden, aber zugleich auch die Anklage eines politischen Systems, das nach außen vermittelte, demokratisch zu sein, dieses Versprechen jedoch in der Praxis konsequent brach. Den Mauerfall hat Eppelmann vor dem Schlagbaum an der Bornholmer Straße in Berlin erlebt. Dass die Grenzsoldaten diesen später öffneten, führt Eppelmann auch darauf zurück, dass immer mehr Menschen vor Ort die zuvor verkündete Reisefreiheit einforderten. Für den Bürgerrechtler ein ergreifender und lange ersehnter Moment.

Zeit seines Lebens vermied Rainer Eppelmann, wo überhaupt möglich, sich dem System anzupassen. So verweigerte er die Mitgliedschaft bei den Pionieren und in der Freien Deutschen Jugend, später auch den Dienst an der Waffe und zahlte dafür einen hohen Preis. Das Abitur wurde Rainer Eppelmann verwehrt. Statt zu studieren, schleppte er auf staatliche Anordnung Dachziegel auf Baustellen. Erst über den zweiten Bildungsweg war es Eppelmann möglich, Theologie zu studieren und Pfarrer zu werden, und er bekleidete damit ein Amt, das Ende der 80er Jahre entscheidend dazu beitrug, friedlich und am Ende erfolgreich gegen das SED-Regime zu demonstrieren. Bei seinem Engagement trotzte Eppelmann Repressionen, nachgewiesener Überwachung durch die Staatssicherheit sowie drei Versuchen des Geheimdienstes, ihm das Leben zu nehmen.

Mit dem Mauerfall durfte Eppelmann Demokratie erstmals sehr intensiv leben. Er gründete die Partei „Demokratischer Aufbruch“, bekleidete in den letzten beiden Regierungen der DDR Ministerämter und war bis zu Bundestagswahl 2005 Mitglied des Deutschen Bundestages. Bundespräsident Steinmeier zeichnete Rainer Eppelmann jüngst mit dem Bundesverdienstkreuz aus. Ein großer Wunsch bleibt Eppelmann: „Ich möchte 93 Jahre alt werden. Dann habe ich länger in einer Demokratie gelebt als in einer Diktatur.“ Bewegende Abschlussworte für einen nachdenklich stimmenden Vortrag.

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