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DER HÖRFUNK-Tipp

RADIOBEITRAG mit Liesel Binzer am 30. April um 19.00 Uhr über Radio WAF

Die ehemalige Freckenhorsterin Liesel Binzer berichtet, wie Rechtsextremismus zu einer tödlichen Bedrohung für sie und ihre Familie wurde. Nachdem sie das KZ Theresienstadt überlebte, wurde sie Schülerin des Mariengymnasiums und kehrte mit über 80 Jahren Anfang April an ihre Schule zurück, um das persönlich dort noch einmal zu erzählen. In einer Bearbeitung von Klaus Aßhoff bringt der Bürgerfunk Ausschnitte des Gespräches zwischen Matthias M. Ester und der Zeitzeugin. Der Beitrag läuft am Sonntag, 30. April, um 19:00 Uhr über UKW, Kabel, Internet und die Smartphone-App von Radio WAF.

Liesel Binzer im Gespräch

Zeitzeugengespräch mit der Holocaust-Überlebenden und ehemaligen Schülerin des MGW Liesel Binzer

Bericht von Cordula Mense-Frerich

Das Zeitzeugengespräch am Dienstag, 04.04.2017, findet in der 3. und 4. Stunde für die Jahrgangsstufe EF in Raum 116/117 statt. Liesel Binzer hat das KZ Theresienstadt überlebt und 1957 ihr Abitur am Mariengymnasium – damals Marienschule – absolviert. Die Moderation des Zeitzeugengesprächs übernimmt der Historiker Matthias M. Ester vom Geschichtskontor.

Liesel Binzer, geb. Michel ist 1942 als Tochter jüdischer Eltern mit fünf Jahren von Münster aus nach Theresienstadt deportiert worden. Zusammen mit ihren Eltern überlebte sie das Konzentrationslager und kehrte in das Elternhaus ihrer Mutter nach Freckenhorst zurück. Dort besuchte sie die Grundschule, bevor sie zur damaligen Marienschule in Warendorf wechselte und dort 1957 das Abitur bestand. Liesel Binzer lebt heute in Offenbach. Aus Anlass ihres 60jährigen Abiturs wird Liesel Binzer an ihre alte Schule kommen und von ihrer Zeit in Theresienstadt berichten, aber auch von ihrer Aufnahme in Freckenhorst und an der damaligen Marienschule. Es werden auch ehemalige Mitschülerinnen von Frau Binzer anwesend sein, die sich ebenfalls an dem Zeitzeugengespräch beteiligen werden. Ein thematischer Schwerpunkt wird bei diesem Zeitzeugengespräch also auch sein, wie an unserer Schule mit der NS-Vergangenheit umgegangen wurde.

Frau Binzer arbeitet im Vorstand des Vereins „Child Survivors Deutschland“ mit. Dort haben sich Menschen zusammengeschlossen, die in der NS-Zeit als Kinder wegen ihrer jüdischen Wurzeln verfolgt wurden. Die Mitglieder verstehen sich als Zeitzeugen gegen das Vergessen, für weltanschauliche Toleranz und respektvolles Miteinander unterschiedlicher Herkunft, Religionen und Kulturen.

Das Gespräch findet in Kooperation mit der VHS Ahlen und dem Arbeitskreis „Jüdisches Leben in Warendorf“ der Altstadtfreunde Warendorf statt. Am nächsten Tag wird Frau Binzer in Ahlen im Rahmen der „Woche der Brüderlichkeit“ an Ahlener Schulen von ihrer Geschichte berichten. Vor wenigen Tagen – März 2017 – hat Liesel Binzer ihre Erinnerungen in einem kleinen Buch mit dem Titel: „Ich prägte mein Leben in – wegen – trotz Theresienstadt“ veröffentlicht.
 

Auf dem Weg zum größten Friedhof der Geschichte


Studienreise nach Krakau und Auschwitz

Bericht von Adrian Grimpe und Georgios Paroglou

Im Herbst 2015 meldeten wir uns für eine Studienreise nach Krakau an, die vom Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien bezuschusst wurde. Magdalena Oxfort ist die Kulturreferentin am Museum, sie hat die gesamte Studienreise, die Unterkunft und das Programm organisiert. „Bei unserer Studienreise möchte ich euch die deutsch-polnische Kultur zeigen, aber auch die Geschichte, die Deutschland und Polen verbindet,“ erklärte uns die Wissenschaftlerin bei unserem ersten Vorbereitungstreffen. Das war im Juni 2016. Wir, das sind 14 Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufe elf des Mariengymnasiums Warendorf. In derselben Woche nahm unsere Stufe an einem Zeitzeugengespräch mit Erna de Vries teil. Die Holocaust-Überlebende berichtete, wie sie, im Innenhof des Block 25 gefangen, auf ihren Tod warten musste. „Ich wollte noch einmal die Sonne sehen“, ihr letzter Wunsch. Das Schicksal aber ließ sie weiterleben, man entschied, sie wieder als Zwangsarbeiterin einzusetzen.

Eine Woche später traf sich unsere Gruppe noch einmal, mit dabei die Geschichtslehrer David Feldkämper und Cordula Mense-Frerich, die die Reise begleiten würden. Es ging um die Entrechtung der Juden unter der NS-Diktatur. Wir bekamen außerdem eine Ausgabe der „Maus“, ein Comic über das Schicksal eines Holocaust-Überlebenden. Rückblickend fühlt sich Geschichte ganz anders an, wenn man sie mit den eigenen Augen gesehen hat.

Im August 2016 fand das letzte Treffen vor der Reise statt. Wir waren gespannt, alle hatten ganz unterschiedliche Vorstellungen von dem, was wir in Krakau und Auschwitz sehen würden. „Man liest über Auschwitz immer nur in Geschichtsbüchern. Aber den Ort selbst zu sehen, das stelle ich mir noch mal ganz anders vor,“ so die Schülerin Anne Schulze-Terharn damals.

Am Dienstag, den 30. August 2016 war es soweit. Wir flogen vom Flughafen Dortmund aus nach Krakau. Auch wenn es niemand zugegeben hätte, aufgeregt waren wir schon. Nachmittags beziehen wir unsere Zimmer im Hostel, das sich im jüdischen Viertel Kazimierz befindet. Am selben Abend noch hatten wir die Gelegenheit, die Stadt Krakau kennenzulernen. Felix Gericke findet: „In Krakau erlebt man eine ganz andere Kultur. Überall gibt es historische Fassaden, die Geschichte wird am Leben gehalten.“ Diese Beobachtung haben wir noch öfter gemacht.

Gleich am nächsten Tag gingen wir zum Stadtteil Podgórze in dem sich das Krakauer Ghetto befand, vorbei am „Platz der Ghettohelden“. Dort ist das bekannte Mahnmal zu sehen, welches aus 70 übergroßen Metallstühlen besteht und an die Selektionen durch die Nazis erinnert. Der weitere Weg führt uns zur Email-Fabrik von Oskar Schindler, in der heute das Schindler Museum gelegen ist. Filme, Musik sowie Sound- und Lichteffekte lassen den Besucher die erdrückende Enge nachempfinden, die die jüdischen Zwangsarbeiter in der NS-Maschinerie quälten. Oskar Schindler selbst, die Heldenfigur unter den NS-Besatzern, ist in der Ausstellung hintergründig, mehr noch geht es um die Stadt Krakau selbst unter der Nazi-Diktatur. Immer wieder sieht man, wie emotional behaftet das Thema noch unter den Krakauern ist: „Du konntest als Jude rausgehen, um was zu kaufen, und hast deine Familie nie wieder gesehen“, kritisiert unsere Museumsführerin die Willkür der SS. Hiernach führte uns Magdalena Oxfort mit ihrem Assistenten ins jüdische Viertel. Überall waren Verweise auf eine Zeit zu sehen, die tiefe Narben bei den jüdischen Polen in Krakau hinterlassen hat: So erinnern Graffiti an die Schikanen durch die NS-Besatzer. Zugleich konnten wir aber auch beobachten, wie spannend sich dieses Viertel entwickelt: junge Menschen lassen ich dort nieder, eröffnen ihre Läden und machen aus Kazimierz einen kreativen Stadtteil, in dem das moderne Leben auf die alte Geschichte trifft. Hierfür sprechen auch die noch erhaltenen Synagogen, die wir uns zusammen angeschaut und besichtigt haben. Die jüdische Kultur konnte nach dem Zweiten Weltkrieg dort wieder Fuß fassen und wird seitdem gepflegt und auch gelebt.

 


Nicht nur für die Geschichtsbücher

Am Donnerstag, den 1. September, besuchen wir Auschwitz. Es war wohl der emotionalste Höhepunkt unserer Reise. Dass es uns schockieren würde, wussten wir. Auch, dass es einige Zeit dauern würde, bis wir das Gesehene verarbeitet hätten. Grelles Sonnenlicht erhellt den Innenhof, als wir Block 11 verlassen. Drückende Hitze lastet auf einem Ort, an dem vor 70 Jahren tausende Menschen den Tod fanden. Rechts fällt der Blick auf eine graue, mit Kork bedeckte Holzwand. Es scheint, als ob die Blumen, die an ihr hängen, die einzigen Farben an diesem Ort sind. Der Platz ist umringt von düsteren Backsteinmauern. Dazwischen verbarrikadierte Fenster, knarrende Türen. Der einzige Weg aus dem Innenhof ist ein hölzernes Tor. Für die Juden damals war der einzige Ausweg der Tod. Noch vor einigen Monaten konnten wir uns nicht vorstellen, was uns dort erwarten würde. Jetzt haben wir es gesehen. In einer etwa sechsstündigen Führung besichtigten wir erst das kleinere Stammlager Auschwitz I, dann das größere Auschwitz II Birkenau. Eine Reise durch den größten Friedhof der Geschichte; die Eindrücke sind unvergesslich, die Bilder zu bedrückend, um sie in Worte zu fassen. Wir betraten den Innenhof von Block 25, den Platz, an dem auch Erna de Vries auf ihren Tod warten musste. Schüler Ansgar Ravensberg erinnert sich später: „Am schlimmsten fand ich die ganzen Überreste der Menschen, die man sehen konnte. Die Haare, die Kleidung“. Wir entscheiden uns, in den Konzentrationslagern kein Gruppenfoto zu schießen. Noch am selben Abend besuchten einige von uns ein Konzert in einer der großen Barockkirchen Krakaus, St. Peter und Paul: ein Ensemble spielte das Musikthema des Films „Schindlers Liste“.

Am Freitag, den 2. September, unserem vorletzten Tag in Krakau, führte uns Magdalena Oxfort noch einmal durch die Stadt. Dabei besichtigten wir das Wawelschloss, was auch UNESCO-Weltkulturerbe ist und mitunter beispielhaft für das „königliche Krakau“ steht und das Collegium Maius, die zweitälteste Universität Europa, in der auch der berühmte Astronom Nikolaus Kopernikus geforscht sowie gelehrt hat. Nach der einstündigen Führung versammelten wir uns vor den Tuchhallen auf dem Großen Markt und konnten wie durch Zufall pünktlich um 12 Uhr Mittag das Hejnal-Signal aus einem der zwei Türme der Krakauer Marienkirche hören. Dieses Signal des Triumphes wird zu jeder vollen Stunde mit einer Trompete in alle Himmelsrichtungen verbreitet. Im Anschluss daran zeigte uns der Assistent von Magdalena Oxfort den beeindruckenden Hochaltar in der Marienkirche von Veit Stoß, einem der bedeutendsten Holzbildhauer der Spätgotik, der lange Zeit in Krakau lebte und wirkte. Unsere letzte Station in der Krakauer Altstadt war die mittelalterliche Barbakane, eine imposante aus Backstein erbaute Verteidigungsanlage, die sich vor dem Florianstor befindet und den dortigen Eingang in die Stadt sicherte. Unsere Besichtigung wurde nach kurzer Zeit von einer Parade unterbrochen, die wir neugierig beobachten konnten: die Militärschule, die Feuerwehrschule und die Polizeischule Krakaus organisierten an diesem Tag das Fest zum Feiertag der Stadtgründung und begrüßten in unserer Anwesenheit den Krakauer Bürgermeister. Da dies der letzte Tag unserer Krakau-Reise war, hatten wir im Anschluss noch viel Zeit, „die Stadt noch einmal aus unserer Perspektive zu sehen“, so Magdalena Oxfort. Bis zum Abend haben wir uns ein letztes Mal durch die historischen Viertel Krakaus begeben, landestypische Gerichte probiert, Andenken an die Reise erstanden und auch die Sonne auf dem Hauptmarkt und an der Weichsel genossen.

Jetzt sind zwei Wochen vergangen seit unserer Reise nach Krakau und Auschwitz. Die meisten von uns haben das dort Erlebte verarbeitet. Nun geht es darum, unsere Eindrücke aufzuschreiben, vom Check in am Flughafen bis hin zu den Konzentrationslagern, der drückenden Hitze von Auschwitz. Im Rahmen der Arbeitsgemeinschaft, die wir mit den Lehrern Feldkämper und Mense-Frerich gegründet haben, bereiten wir die Fahrt in Form einer Ausstellung nach. Diese wird in der Schule und im Westpreußischen Landesmuseum zu sehen sein. Immer wieder schießen uns beim Schreiben Bilder durch den Kopf, die vermeintlichen Duschen in den Gaskammern, die Verbrennungsöfen, die Schwarze Wand im Todeshof von Block 25. Jedem sollen die Erfahrungen und Bilder zugänglich sein, ganz im Zeichen unseres Mottos: „Erinnern gegen das Vergessen“.

Ich wollte noch einmal die Sonne sehen

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Strafzellen im KZ, Foto: © Gerold Paul

Am kommenden Mittwoch, den 22.06.2016, findet das Zeitzeugengespräch mit der Holocaust-Überlebenden Erna de Vries statt. Die Veranstaltung ist für alle Schüler der 10. Jahrgangsstufe (EF) und für die Geschichtskurse der Q1 bestimmt, Beginn: 9:40 Uhr; Ende: 11:15 Uhr, Raum: 116/117.

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit der Volkshochschule Warendorf und dem Verein „Jüdisches Leben in Warendorf“ statt und wird von dem Historiker Matthias M. Ester aus Münster moderiert. Sie wird vom Förderverein des Mariengymnasiums finanziell unterstützt.

Erna de Vries (geb. Korn, 1923) begleitete im Juli 1943 freiwillig ihre jüdische Mutter in das Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, als diese dorthin deportiert wurde. Während ihre Mutter dort ermordet wurde, wurde Erna de Vries aus dem Todesblock heraus in das KZ Ravensbrück gebracht. Dort arbeitete sie als Zwangsarbeiterin in dem zugehörigen Siemenslager. Nach der Räumung des KZ Ravensbrück ab April 1945 schleppte sie sich beim Todesmarsch der Insassinnen bis Mecklenburg, wo ihr Treck von alliierten Soldaten befreit wurde.

Seit 1998 erfüllt sie den Wunsch ihrer Mutter, von ihrem Schicksal zu erzählen, indem sie in Schulen und Bildungseinrichtungen darüber berichtet. Ihr Motto „Ich wollte noch einmal die Sonne sehen“ gibt ihr die Kraft dazu.

Die 92jährige lebt heute in Lathen (Emsland). Die Bundesrepublik Deutschland ehrte sie u. a. mit dem Bundesverdienstkreuz (2014). Seit November 2015 ist eine Realschule in Münster nach ihr benannt.

Weitere Informationen:

  • Erna de Vries: Lebenslauf
  • Die Tagesschau vom 10.02.2016 über den Prozess gegen einen Wachmann aus dem KZ Auschwitz

 

 

Flucht – Juden im Dritten Reich

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Die Flucht deutscher Juden aus der Sicht einer Zeitzeugin

Bericht von Florian Hesemann

Am 26. 01. 2016 besuchte Frau Johanna Grewer, Jahrgang 1926, die Klasse 8 A des Mariengymnasiums, um über ihre Kindheit und Jugend während des Dritten Reichs zu erzählen. In der Bibliothek der Schule hatten die Schülerinnen und Schüler die Gelegenheit, Fragen an die Zeitzeugin aus Lette zu richten. Einen Teil der Fragen hatten sich die Schülerinnen und Schüler zuvor während des Unterrichts überlegt, einen Teil steuerten sie spontan zum Gespräch mit der Urgroßmutter der Schülerin Stine Schöning bei. Eingebettet war die Veranstaltung in eine Reihe im Deutschunterricht zum Thema „Flucht – Juden im Dritten Reich“.

Ziel der Veranstaltung war es, eine Brücke zu schlagen in eine Zeit, die den Schülerinnen und Schülern oft sehr fern ist. Der örtliche Bezug und das bildhafte Erzählen der Zeitzeugin brachten den Schülerinnen und Schüler das Leben und den Alltag in Nazi-Deutschland, und speziell im Kreis Warendorf, näher. Besonders die Schilderungen der teilweise unmenschlichen Zuchtmethoden bei Fehlverhalten im Unterricht durch einen besonders brutalen Lehrer und die durch Indoktrination geprägte Inhaltevermittlung auf Basis des „Stürmer“ wirkten auf viele Zuhörer mindestens irritierend. Durch ihre freundliche und humorvolle Art gelang es Johanna Grewer, trotz der bedrückenden Thematik, den Schülerinnen und Schülern eine unterhaltsame und lehrreiche Stunde zu schenken.

Ich sollte nicht leben

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Ein Überlebender des Holocaust berichtet

„Ich sollte nicht leben.“ Mit diesem Zitat aus seinem Buch „Durch die Hölle von AUSCHWITZ und DACHAU“ eröffnete der Holocaustüberlebende Leslie Schwartz seine Ausführungen vor den Schülerinnen und Schülern des Mariengymnasiums Warendorf, um anschließend hinzuzufügen: „Aber ich wurde dreimal gerettet.“ Und er ergänzte: „Ich war in eurem Alter, als ich im KZ war.“

Wie schon am Tag zuvor im Berufskolleg Warendorf und davor in der VHS erzählte er den über 120 gebannt zuhörenden Schülerinnen und Schülern der EF (Einführungsphase der Oberstufe) von seiner glücklichen Kindheit in einer ländlichen Gegend Ungarns, der Deportation seiner Familie mit den anderen Juden des Ortes zunächst in das Ghetto von Kisvarda und dann weiter nach Auschwitz/Birkenau.

Rettung vor der Gaskammer

Sehr persönlich erzählte er von seiner Rettung vor der Gaskammer und dem Tötungsarzt Mengele, indem er sich intuitiv als 17-Jähriger ausgab und deshalb als Zwangsarbeiter in das KZ Dachau transportiert wurde. „Jeden Tag Zementsäcke schleppen – das spüre ich heute noch.“

Das Gespräch mit Leslie Schwartz führte Matthias M. Ester vom Geschichtskontor Münster, der viele Hintergrundinformationen beisteuerte und mit Karten und Fotos Schwartz’ „Odyssee quer durch Europa“ veranschaulichte. So wurde für die Schülerinnen und Schüler anschaulich, wie Leslie Schwartz, auf 34 kg abgemagert, mit anderen KZ-Insassen von seinen SS-Bewachern in einen Todeszug nach Westen gesetzt wurde, um die Verbrechen der Nazis zu verschleiern. Auch diese Aktion überlebte er trotz Kopfschuss und anschließender Erkrankung an Typhus. Doch neben der Grausamkeit und Unmenschlichkeit hat er auch echte Freundschaft und spontane Hilfsbereitschaft erlebt, so von einer Bäuerin in Bayern, die ihn mit Brot und Milch versorgte – zu der er bis zu ihrem Tode Kontakt hatte. Die Schülerinnen und Schüler hörten betroffen zu und stellten am Schluss interessierte Fragen, z. B. wie er erfahren habe, dass und wie seine Mutter und Schwester umgekommen sind oder wie er nach seiner Befreiung von den Deutschen aufgenommen wurde. Seine Betroffenheit darüber, damals vielen Menschen begegnet zu sein, die allein Hitler für die Verbrechen der Nazizeit verantwortlich gemacht hätten, ist noch heute spürbar.

Love is stronger than hate

Als Berichterstatter hat Leslie Schwartz, der heute teilweise in Münster und teilweise in New York lebt, eine neue Mission gefunden. 104 Mal schon hat er an deutschen Schulen über seinen persönlichen Holocaust gesprochen.
Als sich eine Schülerin nach dem Grund dafür erkundigte, warum er vor Schülern spreche, erklärte er, er sei „der dreckige Jude, der Schweinejude“ gewesen und habe heute durch das Erinnern seine Identität wieder bekommen: „I’m a person again!“ Und er appellierte an ein menschliches Miteinander und setzte sich für Toleranz ein. „We are all children of God: Jews, Muslims and Christians.“ Mit seinem Plädoyer für Menschlichkeit und Toleranz traf er den Nerv der Schülerinnen und Schüler, die ihn nach der Veranstaltung umringten, um sich persönlich bei ihm zu bedanken, ihm weitere Fragen zu stellen, in sein fast volles Erinnerungsbuch zu schreiben oder in seinem Buch zu blättern.

Als Widmung gab er ihnen in einem Buch für die Schülerbücherei mit auf den Weg: „Love is stronger than hate. Shalom“.

  • Durch die Hölle von Auschwitz und Dachau (Leseprobe)

 
Die Veranstaltung ist durch den Förderverein unserer Schule bezuschusst worden.

 

 

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