VERKANNTE KÜNSTLER ODER POTENTIELLE MÖRDER?

Der Literaturkurs des Mariengymnasiums (Q1) präsentierte Alan Ayckbourns Kriminalkomödie „Jeder kann es gewesen sein“ in der Aula der Schule für Musik Warendorf

Von Gerold Paul

Wenn vor der Bühne der Hermannstraße der Konzertflügel seltsam klagte, dann spielten Mortimer Chalke (Noah Sachweh) oder seine Klavierschülerin Wendy Windwood (Lena Kather/Finja Möller) eigene Werke, mit der Virtuosität vergessener Hunde. Wenn dem Publikum das Porträt gezeigt wurde, an dem Mortimers Bruder Brinton Chalke (Leann Berg/Lotta Plaas) jahrelang gearbeitet hatte, dann war das Bild es nicht wert, Kunstwerk zu heißen. Keiner aus dem begüterten englischen Hause Chalke durfte mit Recht sich Künstler nennen. Doch vom Gegenteil fühlte sich jeder überzeugt. Als Mortimer, der Erbe, tödlich getroffen, auf die Bühne torkelte, um vor den Zuschauern die verkannte Künstlerseele auszuhauchen, war Norris Honeywells große Stunde gekommen. Wer hatte das Verbrechen begangen? Jeder konnte es gewesen sein. Doch mit seiner detektivischen Begabung war es nicht weit gediehen. Leon Sachweh war ein Ermittler, der trotz größter Bemühungen rein gar nichts verstand. Schwebte Wendy Windwood, von Mortimer als Erbin des Familienvermögens eingesetzt, wirklich in Gefahr – oder hatte sie zahlreiche Anschläge auf ihr Leben nur inszeniert, um von sich als wahrer Täterin abzulenken? Jocelyn Polegate (Frieda Kuhlmann/Leni Keller), Mortimers Schwester, und ihre Tochter Amy (Clara Offinger/Maja Borlik) schienen mehr als das Publikum zu wissen.

In einem Stück voller Alibis und falscher Hinweise rätselten die Zuschauer lange an der Frage, wer es gewesen sein könnte. Wollte die Täterin Wendy Windwood sein, oder wollte sie es nicht sein? Es blieb fast bis zum Schluss ein Geheimnis. Selbst die in der Aula herrschenden Temperaturen konnten der Spannung über der Frage „Whodunit?“ nichts anhaben. Der Eisverkauf in den Pausen verschaffte die nötige Abkühlung für die erhitzten Gemüter.

Die Schülerinnen und Schüler des Literaturkurses unter der Regie von Alena Wöstmann überzeugten in beiden Vorstellungen mit ihrer Leistung. Das Publikum zeigte sich begeistert. Denn jeder füllte die ihm zugeschriebene Rolle mit der notwendigen Intensität und Komik aus. Auch der Steinway-Flügel vor der Bühne blieb die für ihn vorgesehenen Misstöne keinesfalls schuldig. Der Literaturkurs dankte zuletzt der Arbeitsgemeinschaft „Licht-, Ton- und Bühnentechnik” für die wertvolle Unterstützung.

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