OFFEN GEGEN VORURTEILE

Autorenlesung: Matthias Gerschwitz berichtet über das Leben mit HIV
Der Berliner Autor Matthias Gerschwitz war zu Gast am Mariengymnasium Warendorf und sprach mit den Schülerinnen und Schülern der achten Klassen über sein Leben mit HIV. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand sein autobiografisches Buch „Endlich mal was Positives!“, aus dem er Auszüge vorlas und mit persönlichen Erfahrungen verband. Die Veranstaltung wurde durch die AIDS-Hilfe Ahlen e.V. organisiert und durch den Förderverein der Schule sowie weitere regionale Unterstützer ermöglicht.
Von Alexander Cormann
Mit großer Offenheit schilderte Gerschwitz den Jugendlichen die gesellschaftliche Stimmung während der frühen AIDS-Jahre in den 1980er Jahren. Angst, Unsicherheit und Vorurteile hätten damals den öffentlichen Umgang mit HIV geprägt. Besonders homosexuelle Menschen seien häufig ausgegrenzt und stigmatisiert worden. Viele junge Menschen hätten die Gefahr zunächst verdrängt, weil nur wenig über das Virus bekannt gewesen sei. Erst Anfang der 1980er Jahre wurde das HI-Virus entdeckt, 1985 stand schließlich der erste HIV-Test zur Verfügung.
Auch Gerschwitz selbst habe die Entwicklung anfangs unterschätzt. Erst Jahre später erhielt er die Diagnose HIV-positiv. Während der Lesung berichtete er eindrucksvoll davon, wie schwierig es gewesen sei, die Nachricht zu verarbeiten – nicht zuletzt deshalb, weil wirksame Medikamente damals kaum zur Verfügung standen. Erst 1996 habe die Einführung moderner Kombinationstherapien dazu geführt, dass die Vermehrung der Viren wirksam eingedämmt werden konnte. Gleichzeitig machte Gerschwitz deutlich, wie sehr sich die medizinischen Möglichkeiten seitdem verändert haben. Dank moderner Therapien können HIV-positive Menschen heute meist ein weitgehend normales Leben führen.
Zugleich betonte der Autor, dass Aufklärung weiterhin notwendig bleibe. Obwohl medizinisches Wissen heute leicht zugänglich sei, begegneten Betroffene noch immer Vorurteilen und Unsicherheiten. Gerade deshalb sucht Gerschwitz seit vielen Jahren das Gespräch mit jungen Menschen an Schulen in ganz Deutschland. Sein Anliegen sei es, Wissen zu vermitteln, Ängste abzubauen und einen respektvollen Umgang miteinander zu fördern. Nach aktuellen Schätzungen leben in Deutschland rund 98.000 Menschen mit HIV. Weltweit sind fast 41 Millionen Menschen betroffen.
Die Schülerinnen und Schüler verfolgten die Lesung aufmerksam und nutzten die Möglichkeiten für Fragen intensiv. Besonders beeindruckte die Jugendlichen die persönliche und zugleich sachliche Art, mit der Gerschwitz über sein Leben, gesellschaftliche Ausgrenzung und den Wandel im Umgang mit HIV sprach. Sein Motto gab er den Zuhörenden noch mit auf den Weg: Positiv denken – negativ bleiben!