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Links oder rechts?

Das ist hier die Frage!

© Fontanis / Fotolia
Bericht von Kea van Os, 5 B,
mit freundlicher Unterstützung von Matthias Wüstefeld

Klaus hatte im Kindergarten im Alter von vier Jahren ständig beim Malen den Stift zwischen den Händen gewechselt. Das fiel den Eltern auf, und als sie die Erzieherin fragten, mit welcher Hand Klaus nun malen und später schreiben solle, antwortete diese: „Mit rechts, da hat er es im Leben leichter!“
Also lernte Klaus später mit der rechten Hand auch das Schreiben. In der Schule ging es ihm aber ganz und gar nicht gut. Er schrieb und malte nie gerne, vertauschte Buchstaben, hielt verkrampft den Stift, konnte sich wenig merken, träumte und war jeden Tag unheimlich müde. Auch dachte er, er wäre sehr dumm und könnte nichts.

Als das Lese-Rechtschreibtraining nichts nutzte und der siebenjährige Klaus beim Fahrradfahren ständig die linke und die rechte Straßenseite vertauschte, gingen die Eltern zu einem Berater, der Händigkeitstests durchführte. Hier wurde die Linkshändigkeit festgestellt und geraten, Klaus „nur noch mit der linken Hand“ malen, schneiden und schreiben zu lassen.

Klaus musste zwar über ein Jahr lang regelmäßig Schreibtraining und Besuche beim Linkshänderberater absolvieren, aber es ging ihm danach viel besser. Er war nicht mehr so müde, hatte Spaß und kam in der Schule sehr gut mit.

Linkshänder sein

Warum galt das Schreiben mit linken Hand jahrhundertelang als schlecht? Warum war „links“ gleichbedeutend mit „schlecht“ und „rechts“ mit „gut“?

Rechts leitet sich von dem mittelhochdeutschen Wort „reht“ (Recht) ab. Das bedeutet „richtig, geradlinig“, was wiederum Bezug hat zu „gut“. So gibt es auch die Redensart „Nach dem Rechten schauen“ und die Ausdrücke „Recht haben“ und „Unrecht haben“. „Links“ dagegen lässt sich im Mittelhochdeutschen zurückführen auf „linc, lenc“ und bedeutete damals soviel wie „ungeschickt“. Wer kennt nicht den Ausdruck: Sie ist „link“, also „hinterhältig“? Hier liegt schon im Mittelhochdeutschen eine gegensätzliche Bewertung von „links“ und „rechts“ vor.

In der Zeit des Nationalsozialismus, als Hitler Deutschland regierte, gehörten Linkshänder zu denen, die als krank bezeichnet wurden, weil diese mit links schrieben und darum anders dachten. Linkshändigkeit wurde daher bis 1950 als Krankheit angesehen und oft versteckt. Das Schreiben mit der rechten Hand wurde in der Schule manchmal sogar mit Schlägen erzwungen!

Besuch bei einem Linkshänderberater

Matthias Wüstefeld, Linkshänderberater und Feinmotoriktherapeut, hat sein Büro seit 2001 in Münster-Wolbeck und weiß alles über Linkshändigkeit. Er hat schon ca. 850 Kindern und Erwachsenen geholfen.

Er erklärt, dass Linkshändigkeit angeboren ist und die rechte Gehirnhälfte des Linkshänders die linke Körperseite steuert und die Verknüpfungen, die für Feinmotorik und Fühlen in dieser dominanten Hälfte verankert sind, genau andersherum als bei Rechtshändern angelegt sind. Das hätten wissenschaftliche Forschungen ergeben. Einige Linkshänder wechselten im Kindergarten die Stifte in den Händen hin und her und wüssten nicht auf Anhieb, mit welcher Hand sie nun malen sollen. Oft schauen sich diese Kinder bei Rechtshändern alles ab und schulen sich so selber völlig unbemerkt von der Linkshändigkeit auf die Rechtshändigkeit um. Viele glauben fälschlich, dass sie beidhändig ausgebildet seien. „Beidhänder“ gibt es laut der Forschung jedoch nicht, in dem Fall müssten beide Gehirnhälften dominant sein. In solch einem Fall kann es sich um einen „rechtstrainierten Linkshänder“ handeln. In diesem Zusammenhang ist ein Test, um dem Kind zu helfen, seine Händigkeit zu festigen, äußerst hilfreich.

Sollte ein Linkshänder unbedingt mit links schreiben?

Herr Wüstefeld sagt, dass ein Linkshänder das natürlich tun solle, denn bei Linkshändern sei beim Schreiben die rechte Gehirnhälfte aktiv und bei Rechtshändern sei das umgekehrt. Wenn das Gehirn die Bewegungssteuerung in die rechte Körperseite senden muss, damit die rechte Hand arbeitet, ist das für das Gehirn der Linkshänder mit der schwächer ausgeprägten linken Gehirnhälfte sehr anstrengend und unnatürlich! Wer als Linkshänder mit der rechten Hand schreibt, verkrampft sich stärker und hat negativen Stress.

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© Gerold Paul
Einige Forscher haben außerdem herausgefunden, dass die Umschulung auf die rechte Hand langfristig krank macht. Folgende Auffälligkeiten können sich ergeben:
 

  • Gedächnisstörungen,
  • Konzentrationsschwierigkeiten,
  • Lese-Rechtschreibstörungen,
  • feinmotorische Störungen,
  • Sprachauffälligkeiten,
  • mangelndes Selbstbewusstsein,
  • Unsicherheit.

 
Deswegen solle man mit seiner dominanten Hand schreiben, malen, schneiden.

Linkshänder weltweit

Herr Wüstefeld nimmt an, dass 10–15 Prozent der Bevölkerung mit der linken Hand schreiben, man vermutet, dass es ca. 20–30 Prozent Linkshänder pro Schulklasse gibt. Einige Forscher vermuten sogar, dass der Anteil der Linkshänder bis zu 50 Prozent der Bevölkerung ausmacht! Viele der Betroffenen wissen gar nicht von ihrer (umgeschulten) Linkshändigkeit. Irgendwie lustig!

Eigene Erfahrungen mit der Linkshändigkeit

Auch ich, Kea, habe ab fünf Jahren damit angefangen, den Stift beim Malen ständig zu wechseln, habe nie etwas hinbekommen, war tollpatschig, der Löffel wollte nicht so recht in den Mund. Meine Mutter hat sich dann über Händigkeit informiert.

So bin ich zum Händigkeitstest, Stifttraining, Mal- und Schreibtraining und damit zu Herrn Wüstefeld gekommen. Er hat mir empfohlen, dass ich alles Feinmotorische (Malen, Schreiben Schneiden usw.) „immer nur noch mit links“ machen solle. Nach einem halben Jahr ging es mir richtig gut, und alles war für mich endlich „richtig herum“.

Heute schreibe und lese ich schnell und habe keine Verkrampfungen und Blockaden mehr.

Meine Tipps
 
Beim Schreiben:
 

  • Links von dir sollte niemand sitzen oder ein Linkshänder sitzen, damit du selbst Platz zum Schreiben hast. Bitte deine Lehrer und Mitschüler darum, dass du dich umsetzen darfst! Das ist sehr wichtig.
  • Lege beim Schreiben dein Blatt immer schräg nach rechts (die rechte untere Ecke des Blattes zeigt zum Bauchnabel), damit du „unter der Hand schreibst“ und keine Hakenhand machst.

 
Was die Hobbies angeht:
 

  • Es gibt auch Instrumente für Linkshänder, z. B. Gitarren, Flöten, damit musiziert man als Linkshänder „richtig herum“. Ich habe einen „Mirror“, ein kleines Gerät, womit ich das elektronische Klavier andersherum spielen kann.

 

Was meinst du? Bist du wirklich Rechtshänder oder vielleicht doch ein versteckter Linkshänder? Wenn du sichergehen möchtest, kannst du dies nur mit einem Händigkeitstest herausfinden.

Wenn du mehr über Linkshändigkeit erfahren möchtest, empfehle ich dir die folgenden Bücher und Links.

Literatur:
 

  • Johanna Barbara Sattler: Das linkshändige Kind- seine Begabungen und seine Schwierigkeiten, Auer Verlag.
  • Johanna Barbara Sattler: Das linkshändige Kind in der Grundschule. Auer Verlag.
  • Johanna Barbara Sattler: Der umgeschulte Linkshänder oder der Knoten im Gehirn, Auer Verlag.

 
Weitere Informationen:

 

 

 

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