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In Weimar und Prag

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Der Deutsch-Leistungskurs auf Studienfahrt (4. – 8. September 2017)

Eine kurze Reisereportage

Von Gerold Paul

Eigentlich ist Goethe kleiner als Schiller gewesen. Einen Kopf sogar. Nun steht er vor der Schülergruppe auf einem Sockel, ebenso groß wie Schiller, nur nicht „so liederlich gekleidet“ wie sein großer Freund, wie die Fremdenführerin mit einem Seitenhieb auf Goethes Stellung bei Hofe bemerkt. Das Wetter ist angenehm in Weimar, und die Schülerinnen sind angetan von der gemütlichen Atmosphäre, die Weimar ausstrahlt. Das ist Goethes Stadt, das sind seine Straßen und Gassen. Überall sind seine Spuren zu finden; dort steht sein Ginkgobaum und ist bereit, es zu bestätigen, so schön, dass die Reiseführerin unter ihm das berühmte Gedicht zitiert: „Fühlst du nicht an meinen Liedern,/ Dass ich eins und doppelt bin?“. Die Schülerinnen besuchen die Häuser des Dichters auf dem Frauenplan und im Park an der Ilm. Dort sind die Steine des Dichters zu finden, pedantisch in Schubladen geordnet. Dort spiegelt sich das Licht in glänzenden Majolikatellern. Die Tür öffnet sich auf einen liebevoll gepflegten Garten.

Am Mittwoch geht es nach zwei Nächten Weimar weiter nach Prag. Ein Deutsch-Leistungskurs, für den nicht nur Goethe, sondern auch Kafka Pflichtlektüre ist. Ein Junge ist auch dabei. Einsam ragt sein Lieblingsinstrument, die Gitarre, aus der Gruppe empor. Die Fremdenführerin, deren Schuhe schwarze Schleifen zieren, klärt über die Gefahren des Großstadtlebens auf: „Hütet euch vor den Zebrastreifen! Die Straßenbahnfahrer nehmen keine Notiz von euch. Hütet euch vor den Taschendieben!“. Gedränge in Prag. Der Lehrer kramt aus einer Innentasche eine Karte hervor, die er mit großen Handbewegungen entfaltet. Seine Kollegin, Lehrerin im Fach Musik, geht der Gruppe voraus. Sie ist bereits in Prag gewesen. Am Mittwoch treten die Schülerinnen aus dem Bahnhof in die Metro-Station, um zu dem etwas abgelegenen Hostel zu gelangen. Die U-Bahn-Linien verzweigen sich netzförmig auf der Karte des Lehrers und gleichen ihrem natürlichen Vorbild darin, dass auch sie in bunten Farben gehalten sind. Zweimal tauchen Kontrolleure auf. Wie ein böser Traum überfallen sie die Gruppe in den nächtlich erleuchteten, unterirdischen Gängen. Wie verabredet, treffen die Schülerinnen im Restaurant „Vinohradský Parlament“, einander umarmend, auf Schüler zweier weiterer Leistungskurse ihrer Schule, die auf ihrer Studienfahrt ebenfalls in Prag untergekommen sind. Lachen, Johlen. Dann die Pracht der Karlsbrücke, die Statuen der Heiligen im Mondlicht, die mächtigen Bürgerhäuser, die nur in den oberen Stockwerken im vollständigen Dunkel versinken. Nach einem anstrengenden Tag kehren die Schülerinnen müde in die Türme des A&O Hostels Metro Střizkov zurück. Am nächsten Morgen gibt es eine Kafka-Führung. Der Lehrer entdeckt die Tür zum Gerichtsgebäude und unterzieht sie einer genaueren Prüfung. Frau Supová, die Fremdenführerin, scheint ihn nicht weiter zu beachten. Die Türornamente verzweigen sich rankenförmig und gleichen ihrem natürlichen Vorbild mehr als üblich darin, dass aus den Ranken menschliche Gesichter mit sorgsam geflochtenen Schnurrbärten herauswachsen. „Die Türhüterparabel!“ ruft der Lehrer, wobei er einen Schritt nach vorne auf die Schülerinnen zutritt. Aber Dana Supová hat den Schirm bereits erhoben und ruft zur nächsten Station.

 

Auf den Spuren von Goethe und Kafka

Ein Reisebericht
Teil 1: Weimar

Von Birte Beermann und Daria Stremming

Am Montag, den 04.09.2017, begann für den Deutsch-Leistungskurs, bestehend aus 20 Schülern in Begleitung von Herrn Paul und Frau Aschrafi, eine eindrucksvolle und lehrreiche Studienfahrt.

Die erste Etappe führte uns mit dem Zug nach Weimar. Nach einer entspannten und lustigen Anreise kamen wir im Hummelhostel an, in dem wir zwei Nächte verbrachten. Wegen der gemütlichen Atmosphäre, die die alte Villa ausstrahlte, fühlten wir uns dort sehr wohl. Als wir unsere Zimmer bezogen hatten, trafen wir uns zum gemeinsamen Essen in der „Crêperie du Palais“. Anschließend erkundeten wir in Kleingruppen das wunderschöne Weimar. Dabei stießen wir bereits auf Spuren, die Goethe dort hinterlassen hat, wie zum Beispiel die Gretchenfrage aus seinem Drama „Faust“. Nach dem Abendessen trafen wir uns vor dem Kino wieder und sahen den Film „Jugend ohne Gott“, von dem wir nicht allzu begeistert waren.

Unser Dienstagmorgen begann nach einem Frühstück im Hostel mit einer Stadtführung durch Weimar. Dabei begegneten uns unter anderem das Goethe-und-Schiller-Denkmal und ihre Wohnhäuser in Weimar, die Herzogin Anna Amalia Bibliothek, das Bauhaus am Theaterplatz und vieles mehr.
Am frühen Nachmittag besuchte ein Teil der Gruppe die Herzogin Anna Amalia Bibliothek und der andere Teil die Ausstellung im Goethehaus. Im Goethehaus, im ehemaligen Wohnhaus des Dichters, konnten wir uns nicht nur Goethes originales Mobiliar anschauen, sondern auch einige seiner Bücher-, Stein- und Majolikasammlungen, seine Kutsche sowie den liebevoll gepflegten Garten betrachten. Daraufhin folgte für uns ein Nachmittag zur freien Verfügung. Gegen Abend spazierten wir gemeinsam durch den idyllischen Ilmpark. Auf unserem Weg lag auch Goethes Gartenhaus, in dem er zeitweise gewohnt und gedichtet hat. Eines seiner Gedichte, das uns auch in Weimar oft begegnet ist, heißt „Ginkgo Biloba“. Goethe ließ in Weimar zahlreiche Ginkgobäume pflanzen. Nach einem anstrengenden Tag mit vielen Eindrücken stärkten wir uns in dem Burgerrestaurant „Franz & Willi“ und ließen den Abend gemütlich ausklingen.

Teil 2: Prag

Von Amelie Börger und Mira Elsing

Nach dem Auschecken am Morgen in Weimar kamen wir um ungefähr 16.00 Uhr am Prager Hauptbahnhof an. Mit schwerem Gepäck fuhren wir in das etwas abgelegene A&O Hostel, in dem wir direkt von der Stadtführerin Dana Supová begrüßt und in das Prager Alltagsleben eingeführt wurden. Sie klärte uns über die Gewohnheiten der Tschechen, aber auch über die Gefahren der Großstadt auf.
Kurz darauf bezogen wir unsere Zimmer und genossen unsere Freizeit bis zum frühen Abend. Gemeinsam trafen wir uns zum Abendessen im „Vinohradský Parlament“ mit zwei weiteren Leistungskursen, von denen wir nach „langer Zeit“ freudig begrüßt wurden. Mit gefüllten Bäuchen begaben wir uns zur Karlsbrücke, die wir in ihrer nächtlichen Pracht bestaunen durften. Besonders eindrucksvoll waren die beleuchteten Statuen und Gebäude. Nach einem anstrengenden Tag kehrten wir müde in unsere Zimmer zurück.

Um 11.00 Uhr am Donnerstag fuhren wir mit Frau Supová Richtung Prager Innenstadt, wo eine dreistündige Führung stattfand, die uns nicht nur das Leben des Schriftstellers Franz Kafka, sprich seine Kindheit, sowie seine Studien- und Arbeitszeit, sondern auch die Geschichte Prags näher brachte. Wir wurden über den Wenzelsplatz geführt, sahen das Gebäude der Karlsuniversität, der ältesten Universität Mitteleuropas. Des Weiteren besuchten wir den Obecní dům, den Pulverturm und den Altstädter Ring. Die danach großzügig eingeplante Fteizeit konnte in Kleingruppen vielfältig verbracht werden. Geradezu das Highlight war der Besuch des Nationaltheaters, das im beeindruckenden Stil der Neorenaissance erbaut worden ist. Die Innenräume waren mit fein geschnitzten, vergoldeten Holzvertäfelungen, Stuck und einem gewaltigen Kronleuchter an der Decke geschmückt. Von unseren Plätzen in der ersten Galerie durften wir das romantische Ballettstück „La Bayadère – die Tempeltänzerin“ bewundern. Der klassische Tanzstil vermischte sich mit Elementen indischer und orientalischer Geschichte, wodurch sich eine exotische Inszenierung ergab. Die Solisten beeindruckten vor allem durch ausdrucksstarke „pas des deux“. Die Frauen führten anmutige Arabesquen, Pirouetten und „porte de bras – Tragen der Arme“ vor, die Männer hingegen verkörperten kraftvolle Bewegungen. Das Orchester untermalte den starken Kontrast zwischen der permanenten Spannung und Leidenschaft der Tänze. Das Stück „La Bayadère“ zog uns durch die sehr gefühlvolle Darbietung in seinen Bann und hinterließ einen bleibenden Eindruck.

Die Rückreise am Freitag verlief reibungslos, und am Ende kamen wir mit unvergesslichen Erfahrungen aus der Kombination von zwei literarisch sehr bedeutungsvollen Städten, Weimar und Prag, nach Hause.

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