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Halligalli in der Mottowoche

Die Q2 hat die Macht abgegeben

Bericht von Gerold Paul

Anjou Vartmann ist für die Fotos zuständig. Es sind sehr viele zusammen gekommen im letzten Jahr. Als Erstes kommen wir auf die Fotos zu sprechen, die vor einem Jahr entstanden sind, am 7. April 2017. Sie erinnert sich, dass an dem Tag in ihrer Stufe alle als Superhelden verkleidet gewesen sind, um die „Macht“ der Q2 zu entreißen. 165 Unterrichtstage ist das her. Wenn man genau hinsieht, entdeckt man die Zahl auf den Plaketten, die die Schüler damals getragen haben. Es war ein schöner Tag damals, und die frühere Q2 hatte begonnen, Würste auf den Grill zu legen.

Anjou erinnert sich an die Stimmung an diesem Tag: „Wir haben gemeinsam mit der ehemaligen Q2 gefeiert und hatten einfach Spaß. Das war irgendwie ein ganz besonderes Gefühl. Es waren sehr viele Emotionen in einem Raum zusammen. Man war einerseits traurig, andererseits aber auch sehr glücklich. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass wir uns in unseren Superheldenkostümen wirklich wie Superhelden gefühlt haben. 165 Schultage – das war einfach nicht zu greifen, irgendwie. Wir haben uns zwischenzeitlich angeguckt und dachten, ne, das kann nicht schon unsere Machtübernahme sein. Und diese Gedanken kamen in der Mottowoche auch wieder. Es kam einem ganz unreal vor, und so richtig begriffen habe ich es, glaube ich, auch jetzt noch nicht.“

Heute ist Anjou wieder für die Fotos zuständig. Sie könnte das Auto fotografieren, das die Laurentianer auf den Hof gestellt haben. Eigentlich handelt es sich dabei um die abgewrackte Karosserie einer nicht mehr definierbaren Automarke, auf die die Schüler des Nachbargymnasiums derbe Sprüche gesprüht haben. Die letzte und längste Woche dieser Q2 liegt hinter dem Mariengymnasium, die Mottowoche. Dass man die Stimmung trotz des unfreundlichen Wetters halten und dermaßen steigern konnte, hat die Schülerinnen und Schüler wieder einmal von dem besonderen Geist ihrer Stufe überzeugt. Halligalli zu zeigen, hatte die Stufe versprochen, als sie im Januar den bunten, abwechslungsreichen Kulturabend präsentierte. Diesmal kommen die Schülerinnen und Schüler aus dem Halligalli gar nicht mehr heraus. Die Stufenleiter Stefanie Bellingen und Andreas Wening haben sich montags eilig Isolierdecken aus dem Baumarkt übergeworfen, um Rollerskater aus dem Musical „Starlight Express“ darzustellen. Am Mittwoch erscheint Stefanie Bellingen als Schneewittchen. Andreas Wening scheint ihr Prinz zu sein. Die Krone sitzt gut, hört er von allen Seiten, die aufblasbare Krone aus Plastik. Vom Wetter her ist es der schönste Tag in dieser Woche, und viele Märchenfiguren wagen sich nach draußen, Bambis, Elfen und Froschkönige. Das Motto lautet: „Marytales“. In den großen Pausen wird vor allem getanzt. Am Donnerstag kommt der süße Duft von Räucherstäbchen hinzu. Und da ist Anjou, ausgelassen und frei, und genießt die Festivalstimmung. Betroffen von dem starken Duft, betreten einige ältere Lehrerinnen und Lehrer die Halle, die sich an ihre Studienjahre erinnert glauben.

Ich frage Anjou, was das Besondere an ihrer Stufe gewesen sei. Sie habe sich aus vielen unterschiedlichen Charaktere zusammengesetzt, sagt sie und fährt fort: „Dennoch haben wir einen unheimlichen Zusammenhalt. Jeder von uns bereichert die Stufe, und es sind alle ganz tolle Menschen. Ganz besonders gut erinnere ich mich da an die Momente, wenn wir in der Mottowoche der ‚Humba‘-Tradition nachgekommen sind – und einer der Sprüche war ‚Richard ist einer von uns!‘ Obwohl Richard sitzengeblieben ist, war es ganz klar, dass er bei uns und beim Feiern immer willkommen ist. Da habe ich auch mit ihm drüber gesprochen, und er war sehr berührt. In diesen Momenten freut man sich, dass man Teil der Stufe ist. Woran ich mich noch gut erinnere, ist die Stunde, in welcher die Zulassungen mitgeteilt wurden. Da war die gesamte Stufe versammelt, und als Erstes wurde Alexander Berger aufgerufen, der es als Einziger leider nicht geschafft hat. Nachdem er sein Zeugnis bekommen hatte, ist er rausgegangen und Frau Schmitz-Molkewehrum sagte uns, dass Alex einen großen Wunsch habe, nämlich beim Abiball von Anfang an dabei sein zu dürfen. Für uns war es ganz klar und gar keine Frage, dass er es natürlich dürfe, und das haben wir auch gesagt bzw. gejubelt. Daraufhin hat Jan angefangen, das Lied ‚Ich lass‘ für dich das Licht an‘ von Revolverheld zu singen, was für unseren Mathe-LK eine ganz besondere Bedeutung hat. Während wir uns im Unterricht immer sehr über Jan geärgert haben, wenn er uns mit seinem Gesang gestört hat, kamen den meisten – insbesondere Frau Bellingen – in diesem Fall die Tränen, und man merkte wieder, wir gehören zusammen.“

Die Mottos blieben noch nachzutragen: Eröffnet wurde die letzte Woche der Q2 mit dem Motto „Marylight Express“. Es folgten „Maryton“, „Marytales“, „Marychella“. Heute, am Freitag, tragen alle in der Stufe klinische Kittel. „Mary`s Anatomy“. Die Operation „Mottowoche“ ist an ihr Ende gekommen. Glücklich, wie Anjou versichert.

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