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ENGLAND, DAS LAND MIT DER SCHULUNIFORM

Ende April ist Franziska Betting aus der Klasse 9 B in Warendorfs Partnerstadt Petersfield gereist, um als Gast der Petersfield School England aus der Nähe zu erkunden. Susan Bock vom Vorstand des Freundeskreises Warendorf-Petersfield, ehemalige Lehrerin des Mariengymnasiums, hat maßgeblich dabei geholfen, den dreimonatigen Aufenthalt zu organisieren.

Bericht von Franziska Betting

Es ist Donnerstagnachmittag um halb vier. Ich freue mich, denn in ein paar Minuten bin ich wieder zuhause und kann endlich aus diesem unpraktischen Rock raus. Ich öffne die Haustür, und mir wird ein fröhliches „Hello! How was your day?“ zugerufen. Richtig, ich bin in England! Genauer gesagt in Petersfield, Warendorfs Partnerstadt. Ganze drei Monate verbringe ich hier, um mein Englisch zu verbessern.
Und diese Reise ist für mich ein echtes Abenteuer. Zum zweiten Mal bin ich mit meinen 15 Jahren von Warendorf für längere Zeit weg, ganz allein, ohne Eltern, ohne meine Schwester und ohne meine Freundinnen vom Mariengymnasium. Vor zwei Jahren war ich für zwei Monate in Bordeaux. Also in Frankreich. Mir hat diese Reise damals sehr geholfen, mein Französisch zu verbessern. Im letzten Jahr hat es mir dann wieder so in den Fingern gekitzelt, länger ins Ausland zu gehen. Und so kam diese Reise zustande.

Vieles ist anders als in Warendorf, nicht nur die Sprache. Aber darum geht es mir ja! Hier muss ich mich auf Englisch verständigen: Zuhause bei meinen Gasteltern, in der Schule und in der Freizeit. Aber ich habe gemerkt, nach einigen Wochen ging es immer leichter. Jeden Tag lerne ich Neues dazu, und vieles läuft jetzt schon ohne groß darüber nachzudenken: tägliche Konversation mit meinen Mitschülern und mit meinen Gasteltern. In einigen Fächern in der Schule muss ich jetzt noch sehr konzentrieren, um alles zu verstehen und mitzuarbeiten.

Meine Gasteltern sind beide schon im Rentenalter und sehr herzlich und unkompliziert. Wenn sie nicht gerade Bowl spielen, dann gräbt mein Gastvater im Garten. Jedoch nicht, um sein Gemüsebeet zu pflegen, sondern er ist Hobbyarchäologe und er sucht bei seinen Grabungen nach steinzeitlichen Fundstücken. Bei diesem exklusiven Hobby darf ich ihm helfen. So haben wir letztens schon einige Steine ausgegraben, die nach seiner Einschätzung wohl steinzeitliche Werkzeuge waren.
Die Schule ist von ihrer Struktur dem Mariengymnasium in Warendorf sehr ähnlich. Es gibt die bekannten Fächer, einige Schüler lernen sogar Deutsch. Hier darf ich dann die Lehrerin unterstützen. Was allerdings total anders ist, das ist die Schuluniform. Daran musste ich mich erst gewöhnen: knielanger grauer Rock, Strumpfhose, weiß Bluse, schwarze Schnürschuhe und ein weinroter Blazer mit dem Schullogo. Auch die Krawatte ist in der Farbe festgelegt. An der Krawatte kann jeder erkennen, in welche Klasse man geht.
In der Schule bin ich sehr herzlich aufgenommen worden, alle Lehrer wussten, dass eine deutsche Schülerin kommt. Überall wurde ich persönlich begrüßt und willkommen geheißen. Eine Schulpatin wurde mir zum Glück zur Seite gestellt. Sie zeigt mir alles und erklärt alles geduldig, was ich für den Schulalltag wissen muss. Sie heißt Katie, und wir sind gute Freundinnen geworden. Meine Mitschüler bereiten sich in diesen Wochen auf ihre Abschlussprüfungen vor. Für mich ein erster Vorgeschmack auf kommende Zentralprüfungen in Deutschland.
An den Wochenenden und an den schulfreien Tagen entdecke ich mit meinen Gasteltern die nähere und weitere Umgebung von Petersfield. Mehrfach war ich jetzt schon in London, denn dort wohnen die erwachsenen Töchter meiner Gasteltern. An der Ostküste haben wir uns schon mehrere Male die steife Brise um die Ohren wehen lassen. Überhaupt, das Wetter, es ist wirklich so, wie wir es immer wieder hören. Viel Regen, ab und zu mal Sonnenschein und stark wechselnde Temperaturen. Den Engländern macht das nichts aus, aber mir…

Die englische Küche ist viel besser als ihr Ruf. Auch wenn ich als Vegetarierin nicht immer auf Verständnis hoffen darf, schmeckt es mir gut. Ich durfte meine Gasteltern auch schon öfter bekochen. Und was passt besser zu einem kalten Regentag: eine kräftige Linsensuppe, natürlich westfälisch.
Über die Hälfte meiner Zeit ist schon vorbei. Ohne den Freundeskreis Petersfield-Warendorf wäre diese fantastische Zeit hier nicht möglich gewesen. Besonders bedanken möchte ich bei Susan Bock aus Warendorf. Sie hat alle Hebel in Bewegung gesetzt und den Rahmen organisiert. Dafür bin ich ihr sehr dankbar. Auch dass das Mariengymnasium mich drei Monate „beurlaubt“ hat, ist toll. Jetzt freue ich mich auf die weitere Zeit meines Aufenthaltes, aber auch auf meine Rückkehr nach Warendorf: passend zum zweiten Tag der Sommerferien.

 

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