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Trauer um Ursula Thier

Das Mariengymnasium trauert um Ursula Thier

Am 18. Oktober 2017 verstarb Frau Oberstudienrätin Ursula Thier. Frau Thier unterrichtete 24 Jahre lang am Mariengymnasium die Fächer Deutsch und Biologie. Das Mariengymnasium hat mit ihr eine geschätzte ehemalige Kollegin verloren.
Frau Thier wurde am 22.5.1938 in Oelde geboren. Dort wuchs sie in einer kinderreichen Familie auf. Schon in ihrer Kindheit entwickelte sie bei Wanderungen mit ihrem Vater eine große Liebe zur Natur. Nach ihrem Abitur am priv. Mädchengymnasium St. Michael in Ahlen im Jahr 1958 studierte sie dementsprechend das Fach Biologie. Ihr Interesse an Literatur bestimmte ihr zweites Studienfach Deutsch.


Nach dem Studium in Münster und Innsbruck leistete sie ihr Referendariat in Castrop-Rauxel am Ernst Barlach Gymnasium ab und unterrichtete in den Jahren 1967–1971 am Gymnasium Winterberg. Im Jahre 1971 kam sie an das Mariengymnasium, das damals noch ein reines Mädchengymnasium war. Die schulischen Umbrüche der folgenden Jahre, beginnend mit der Reform der Oberstufe bis hin zur Einführung der Koedukation am Mariengymnasium, erlebte sie gestaltend mit.

Ein besonderes Interesse galt stets dem Fach Biologie, in dem sie lange Jahre engagierte Fachkonferenzvorsitzende und Sammlungsleiterin war. Sie sorgte auch dafür, dass nicht nur „trockene Kreidebiologie“ gelehrt wurde, sondern dass in der Schule auch Tiere gehalten wurden und dass Exkursionen stattfanden. Sie selbst ging ebenfalls auf große Expeditionen. So bereiste sie in den Ferien Afrika, Australien und die Galapagos-Inseln, um dort die Tier- und Pflanzenwelt zu erkunden. Ihre Reiseschilderungen waren bei der Schülerschaft und beim Kollegium legendär. So ist es unvergessen, wie sie davon berichtete, dass sie eines Morgens im Dschungel sich wenige Schritte vom Expeditionsteam entfernte und auf einmal bemerkte, wie sie mit großen braunen Augen aus dem Buschwerk des Urwalds fixiert wurde. Beim näheren Hinsehen war der Besitzer dieser Augen ein großes Gorillamännchen. Ihr Herz sei ihr fast stehen geblieben vor Schreck, berichtete sie; doch als Biologin wusste sie, dass in solch einem Falle man die Augen senken und ruhig stehen bleiben sollte. Genau das tat sie und nach langen Augenblicken des Wartens zeigte dann ein Rascheln an, dass sich der Gorilla entfernte und sie damit in Sicherheit war. Auf dem Hintergrund dieser Erfahrungen verstand es Frau Thier, den Schülern auf sehr lebendige Art anschaulich Wissensinhalte zu vermitteln.

Leider führte ein Unfall bei einer der Expeditionen dazu, dass sie im Jahr 1998 sich vorzeitig in den Ruhestand versetzen lassen musste. Ehemalige Schüler, denen sie danach in Warendorf begegnete, waren immer wieder überrascht darüber, von ihr mit Namen angesprochen zu werden. Daraus wird durchaus deutlich, welch großes menschliches Interesse sie den Schülern entgegenbrachte. Denn es ging dabei ja nicht nur um die Wiedererkennung des Namens, sondern auch um die Erinnerung und um das Wiederaufleben von Kontakten.
Wir verlieren mit Frau Thier eine Lehrerin, die sich in hohem Maße mit ihrem Beruf identifiziert hat. Sie unterrichtete engagiert fachbezogene Inhalte und Methoden. Ein weiterer Schwerpunkt ihrer pädagogischen Arbeit lag darin, Ihren Schülerinnen und Schülern den Wert sorgfältiger und gewissenhafter Arbeitsweise zu vermitteln. Sie hat zur positiven Entwicklung des Mariengymnasiums einen erheblichen Anteil beigetragen.

 

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