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Das Folter-U-Boot der Stasi

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Eingangstor © Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen/Gvoon

Seminar über das ehemalige Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen

Bericht von Cordula Mense-Frerich

Im Rahmen des Geschichtsunterrichts hat die neunte Jahrgangsstufe an einem Seminar über die Geschichte des Linksextremismus teilgenommen, das von pädagogischen Mitarbeitern der Gedenkstätte Hohenschönhausen durchgeführt wurde.
Das Seminar wird als Teil des Präventionsprojekts „Alles Geschichte: Linke Militanz in Geschichte und Gegenwart“ vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert. Ziel des Projekts ist es hauptsächlich, das Verständnis für Demokratie und Vielfalt bei den Jugendlichen zu stärken. Um dies zu kontextualisieren, greifen die Moderatoren zum einen auf historische Beispiele zurück, wie auf kommunistische Diktaturen (Sowjetunion, DDR), auf extreme Gruppierungen (RAF), aber zum anderen auch auf aktuelle Gefährdungen der Demokratie (aktuelles politisches Geschehen) und insbesondere auf gewaltförmige Protestaktionen (linke Militanz und auch Gewalt von rechts). Das Angebot der Gedenkstätte ist einmalig in Deutschland und richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene ab Jahrgangsstufe 9.
Es folgt ein Bericht über die engagierte, abwechslungsreiche und bei Temperaturen über 30 Grad überaus schweißtreibende Projektarbeit.

 

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Zellengang im Kellergefängnis („U-Boot“) © Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen/Gvoon

Das ehemalige Stasi-Untersuchungsgefängnis Berlin-Hohenschönhausen

Bericht von Hannah Amsbeck, Mascha Kraneburg und Felizia Vornhusen

Die zwei Gastdozenten Herr Wenzel und Herr Hildebrandt​, die als pädagogische Mitarbeiter in der Gedenkstätte „Berlin-Hohenschönhausen“, dem ehemaligen zentralen Gefängnis der Staatssicherheit der DDR arbeiten, lieferten authentische Informationen über die Zeit des geteilten Deutschlands. Sie berichteten den neunten Klassen des Mariengymnasiums von der Entstehung dieses Staates bis hin zu den Montagsdemonstrationen und dem anschließenden Mauerfall.

In zwei Gruppen sollten die Neuntklässler zum politischen Extremismus in der DDR und zum DDR-Ministerium für Staatssicherheit, kurz: MfS, mithilfe des Internets recherchieren. Zuvor notierten die Schülerinnen und Schüler in einem Brainstorming alles, was sie bereits über die DDR und deren Wirtschaft und Politik wussten. Besonderes Augenmerk legte Herr Wenzel dabei auf die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands, die SED. Nachdem der Dozent alle unklaren Begriffe geklärt hatte, wurde eine Art Memory gespielt, wobei die Geschichte der DDR in einem Zeitstrahl eingefangen wurde. Man musste Datum, Bild und Erläuterung zu einem bestimmten geschichtlichen Ereignis finden und die Informationen in die richtige Reihenfolge bringen. Nach dieser Veranschaulichung war jedem Teilnehmer deutlich, wie dieser Abschnitt der deutschen Geschichte abgelaufen war. Im Anschluss bekamen die Schüler einen Informationsbogen über die Rolle und das Selbstverständnis der Stasi. War die Stasi ein gewöhnlicher Sicherheitsdienst? Welchem Zweck diente sie? Es wurde deutlich, dass die Staatssicherheit sämtliche Einwohner des Staates in jeglicher Form überwachte, sei es bei Telefongesprächen, bei E-Mails oder Briefen. Die Dokumente wurden genauestens auf Beziehungen zum Westen oder eine mögliche Flucht aus dem Staat analysiert.
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Zum Abschluss zeigte Herr Wenzel in einer Bilder-Präsentation die Situation der heutigen Gedenkstätte in Berlin-Hohenschönhausen. Er betonte, dass diese Gedenkstätte sich unter anderem dadurch auszeichnet, dass Zeitzeugen, Opfer kommunistischer Gewalt, die Touristen durch die ehemaligen Gefängniszellen führen und dort von ihren eigenen Erlebnissen erzählen. Der Gefängnistrakt im Keller mit den fensterlosen, bunkerartigen Zellen erhielt schon 1947 bei seiner Übergabe durch die sowjetische Besatzungsmacht den Namen „U-Boot”, weil es in der Anlage außerordentlich feucht und klamm gewesen ist. Viele Häftlinge mussten die schlechten Haftbedingungen ohne ausreichende Nahrung und Hygiene oft in Isolationshaft und über viele Jahre ertragen.
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Alle Teilnehmer des Seminars hielten den Vortrag und vor allem die Möglichkeit, bei der Recherche eigenständig mitzuwirken, für sehr gelungen und würden begrüßen, dass dieses Seminar für die nachfolgenden Jahrgangsstufen wieder angeboten wird.

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